🌟 Sommer-Highlight 🌟

Wir agieren mit den Veranstaltungen zu unseren Projekten bewusst und gerne im öffentlichen Raum. Eine große Herausforderung ist dabei jedoch, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das klingt simpel, bedeutet aber allen voran, dass die Termine unseren Ehrenamtlichen in den Zeitplan passen müssen. Es bedeutet, dass wir zum jeweiligen Thema eine passende Location brauchen. Und es bedeutet, dass nicht nur wir sondern auch unsere Gäste oder Teilnehmer*innen die Möglichkeit haben müssen zu geeigneter Zeit an einem tollen Ort anwesend sein können. Das ist manchmal gar nicht so leicht. Wir nutzen unser diesjähriges Modellprojekt „Unsere Wissenschaftlerin des Monats“ deshalb auch intensiv, um Kooperationspartner und Veranstaltungsorte zu geeigneten Zeiten im Jahr zu finden und vor Publikum zu testen.

Ein absolutes Highlight war dabei die Museumsnacht am 28.08.2026 für die wir an die HAW Kiel kommen durften, um unser „Lebendiges Museum zu Naturwissenschaftlerinnen“ erneut zu zeigen. 700 Besucher*innen 🎉 sind ein unglaublicher Rekord, an den bisher bei Weitem kein anderes Netzwerk-NatuS-Event ran kam. Das ist ein wunderbarer Zuspruch. Wir bedanken uns herzlich beim Team der HAW Kiel, das jedes Jahr die Türen am Sokratesplatz für die Museumsnacht öffnet. Es war eine gute Kooperation und das Foyer im Lerndock23 es wirklich toller Platz für unsere Ausstellung.

Natürlich ist das Publikum zur Museumsnacht „schon geübt“. Die Menschen sind offen, neugierig, und interessiert an den ausgestellten Themen. Trotzdem finden wir es sehr beeindruckend, wie viele Menschen dann doch in unserer kleinen Zeitmaschine verweilten, um zu rätseln, mit winzigen Taschenlampen im Dunkeln (es gab eine kurze Beleuchtungsstörung) alle Plakate genau zu studieren, sich mit uns zu unterhalten oder von uns unterhalten zu lassen, sich vom Stern und seiner Umlaufbahn irritieren zu lassen, mit ihm zu spielen oder zu diskutieren.

Denn fast den ganzen Abend bewegte sich ein Stern in Form einer Theaterfigur durch den Raum. Neben den wissenschaftlichen Fakten auf unseren Plakaten, war es gar nicht so einfach Kostüm und Rolle dafür zu gestalten. Aber von Gesine Born hatten wir im „selben“ Museum zu Kieler Woche 2025 gelernt, dass Irritation den Fokus manchmal interessanter lenken kann, als perfekte Inszenierungen, in denen dann vielleicht doch weltbewegende „Details“ fehlen 😉

Komischerweise fragten vor allem Männer, wer oder was die Theaterfigur des Sterns denn sei. Manchmal schaute der Stern sie dann ernst an und sagte: “Ich bin das, was Sie glauben, das ich bin.” Und mehr als einmal waren sie dann verwirrt und meinten ein Frauenproblem nicht verstanden zu haben. Das fiel uns auf und wir finden es wichtig über neue Zuschreibungen aus der Manosphere nachzudenken. Denn ein für uns recht naheliegender Theateraspekt bestand darin, bei der Verkörperung historischer Astronominnen ein Objekt zur Beobachtung zu haben „dass nie ein Mensch zu vor gesehen hatte“ und über dessen Beobachtung sich die Sprechrolle vor dem Publikum ergibt.

Spontan kam im Gespräch mit Gästen auch die Frage auf: Macht es einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau die Sterne beobachtet? Dazu haben wir kurzerhand die Besucher*innen befragt: Zu Beginn war das Bild sehr eindeutig. Die meisten Frauen sagten Ja, die Männer oft Nein. Später glich sich das an. Ein spannender Impuls über den sich sicherlich noch einge Jahrhunderte weiter diskutieren lässt, denn bspw. schon Marie Mitchell (1818-1889) hat sich im 19.Jhd. über Letter in Fachzeitschriften mit Männern darum gestritten, ob sie als Frau zu astronomischen Beobachtungen überhaupt geeignet wäre. Sie führte übrigends an, dass Frauen mit dem Gespühr für Farben und Formen und Kompositionen, die man beim Sticken und Co. von ihnen erwartet, wohl die Besten Voraussetzungen für dieses Fach mitbrächten. … und naja, sie hat u.a. als erster Mensch in den USA einen Kometen entdeckt und mit Hilfe ihrer selbstgebauten Aparate zur Sonnenfotographie als erster Mensch deren Eigenschaften beschreiben und deren Entstehung erklären können. Gewichtige Argumente für die Frau, die bei diesen Themen zumindest schneller als ihre männlichen Kollegen aus Farben, Formen, und Kompositionen die bis heute gültige Schlüsse gezogen hat 🙂

Tasächlich fiel uns auch auf, dass unsere Ideen zu Astronominnen im Schatten ihrer Brüder zwar nicht zu kurz kamen, sich aber als so umfangreich und die Biographien von Sophie Brahe (1559–1643) und mehr noch Caroline Herschel (1750–1848) als so vielschichtig erwiesen, dass auch diese Frauen einen genaueren Blick verdienen bei dem wir sie mit mehr Details betrachten können, denn als Theaterfiguren im Rahmen des Museums, bei dem ja zurecht die Vielfalt von Frauen in den Naturwissenschaften im Mittelpunkt steht. Das merken wir uns für kommende Veranstaltungen vor.

Fazit: Es war eine tolle Nacht und ein voller Erfolg.

Schreibe einen Kommentar