Citizen Science im Netzwerk und mit den Kindergruppen
Mittlerweile haben wir an unseren Wirkungsstätten gut erprobt und etabliert, wie NaturSpielpädagogik als Kulturelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung in den Alltag eingebunden werden kann und wie die Kinder das (mit-)machen, ohne zu merken, dass sie immer noch lernen. Nun wollen wir (mal wieder) eine Pflanze vom Saatkorn zum fertigen Kulturprodukt erleben. Diesmal geht es aber nicht um etwas zu Essen und auch nicht nur darum, dass die Kinder was lernen, sondern wir beteiligen uns am deutschland- bzw. europaweiten Mitmach- und Community-Projekt zum Anbau von Flachs/Faserlein (www.1qmlein.de).
Warum?
Für über 30.000 Jahre und bis ins 19.Jhd. war der Flachsanbau für die Gewinnung von Leinenstoffen in Europa ganz normal. Heute sind der Anbau von Leinsamen, die Verarbeitung der Pflanzen zu Fasern und die anschließende Stoffherstellung weitgehend in Vergessenheit geraten. Seit 2020 setzen sich Akteure in verschiedenen europäischen Staaten gegen das Vergessen ein und vernetzen sich. Seit 2025 beteiligen sich auch in Deutschland über 1000 Standorte unter der Trägerschaft von TextilHandWerk e.V. . Das wirkt sich aus, so dass für 2026 der Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen e.V. die Bürger*innen um Mithilfe beim Anbau historischer Lein-Sorten bittet.
Es geht dabei um nicht weniger als „die Forschung nach standort- und klimaangepassten Faserleinsorten, die nicht nur für Textilien, sondern auch für nachhaltige Bau- und Dämmstoffe relevant ist“.
Finden WIR am Ende vielleicht eine Sorte, die in unserem Garten, auf unserem Boden und dem Klima unserer Region besonders gut wächst? Egal, denn Kinder und Wissenschaftler*innen werden definitiv viele neue Erkenntnisse gewinnen: „Wie lange dauert es von der Aussaat zum Keimen? Nach wie vielen Tagen zeigen sich die ersten Blüten? Wie hoch werden meine Pflanzen im Vergleich zu denen der anderen Teilnehmerinnen?“ z.B. ganz konkret bei unseren Partnergruppen hier im Netzwerk.
Die Antworten werden gesammelt, protokolliert und dann entsteht durch die verpflichtende digitale Datenübermittlung eine sinnvolle Verbindung zum Medienkompetenztraining.
Eigentlich doch kinderleicht 😉
Die Offene Ganztagsschule (OGTS) Schönkirchen
Schleswig-Holstein, östlich der Kieler Förde
Herbst und Winter hat die Garten-AG (unter der Leitung von Madeleine) u.a. genutzt, um unsere Anbaufläche zu schaffen. Aus alten Einwegpaletten haben die Kinder einen Rahmen geschraubt. Der wurde nach den Kinderwünschen positioniert, und dann gerade aufgestellt, sowie innen mit Folie ausgekleidet. Befüllt wurde zuunterst mit den herbstlichen „Abfällen“ der Bäume (von Totholz bis Laub) und oben drüber mit Maulwurferde.
Dieses Upcycling-Hochbeet wird dieses Jahr unser „1m² Lein“.

Am 11. Februar kam das Saatgut. An der OGTS Schönkirchen wird die Sorte „Blaublühender Hohenheimer“ wachsen. Noch vor den Osterferien plant die Garten-AG die Aussaat. Bis dahin üben wir Nature Journaling als populär-wissenschaftliche Dokumentationsmethode. Und sobald die Schneedecke geschmolzen ist, können wir die letzten Beetvorbereitungen vollenden.
Wir sind schon sehr gespannt, wie sich dieses nachmittägliche Freizeitvergnügen für uns im Halbjahr entwickelt.
Grundschule Holtenau
Schleswig-Holstein, Westufer der Kieler Förde
Janin hat das Projekt in den Unterricht der jahrgangsübergreifenden Klasse 3/4 gebracht. In den festen Draußenschul-Stunden einmal die Woche bietet sich 1m² Lein an, um den Hoizont zu erweitern. Schließlich lernen die Kinder eine bewährte Kulturpflanze schätzen, ein altes Handwerk kennen, verbinden hilfreiche Methodenkenntnis in einem schlüssigen Gesamtkonzept, und betätigen sich dabei in allen positiven Aspekten des Draußenlernens indem sie in ihrer Umgebung einen neuen Lerngegenstand anbauen.
Hier erwarten wir noch den Eingang des Saatgutes und wissen deshalb noch nicht welche Sorte(?) wir bekommen.
Aber auch hier hoffen wir, noch vor den Osterferien aussäen zu können und üben bis dahin Nature Journaling als populär-wissenschaftliche Dokumentationsmethode. Sobald die Schneedecke geschmolzen ist, wird auch hier die Beetvorbereitungen vollendet.
Wir sind davon überzeugt, dass Citizen Science und Schulunterricht ein gegenseitiges Win-Win ermöglichen.
Grundschule am Lerchenberg in Wesendorf
Niedersachsen, zwischen Süd- und Ostheide
Wir freuen uns sehr, dass wir mit Teresas Engagement im Schulgarten auch bundesland-übergreifend eine Partnergruppe in Niedersachsen haben. Ein paar mehr Infos folgen noch …
Am 11. Februar kam das Saatgut. An der Grundschule Wesendorf wird die Sorte „Eckendorfer Langflachs“ wachsen.
Gesät werden kann von Ende März bis Ende Mai – traditionell nimmt man etwa den 100. Tag des Jahres. Da die Osterferien in Niedersachsen früher als in Schleswig-Holstein beginnen, ergeben sich hier schon die berechtigten Fragen, ob es besser ist nach den Ferien Anfang / Mitte April zu säen, oder ob es witterungsbedingt doch schon vorher möglich ist.
Auch spielt die Ernte eine Rolle. Etwa 100 Tage nach der Aussaat kann geerntet werden. Damit die jeweiligen Kindergruppen zum Halb-/Schuljahreswechsel auch einen sinnvollen Projektabschluss im Sommer finden, hatten wir überlegt, dass dies vor den Sommerferien oder in Rahmen eines Ferienprojektes statt finden könnte. Da in Niedersachen auch die Sommerferien schon Anfang Juli starten, ergeben sich logistische Überlegungen und wir sind gespannt, wie sich das Lein-Projekt mit unterschiedlichen Ferienzeiten in den Kalender einfügen wird.
Gemeinsam ist es leichter, schöner, und produktiver
Wie unsere Ideen umgesetzt wurden, was gut geklappt hat oder was man anders machen könnte, sammeln wir auf einem padlet.
Jetzt im Februar geht es uns zunächst erst mal darum, alles vorzubereiten. Durch den Schnee ist die Beetarbeit noch nicht möglich. Nature Journaling lässt sich aber schon einführen üben und gerade unter der Premisse ‚Es geht um Wissenschaft – eure Aufzeichnungen müssen nicht besonders schön sein, sondern nützlich‘, ist es hilfreich auszuprobieren wie „nützlich“ die Kinder aufzeichnen können. Ende Februar kann dann schon mal ein gemeinsames „unboxing“ der Starterpakete, eine Untersuchung der Samen, und eine erste thematische Auseinandersetzung mit ‚Lein‘ und ‚Citizen Science‘ statt finden.
Auch im März ist noch Zeit zum üben: Was braucht ein Samen zum Keimen? Was braucht eine Pflanze zum Wachsen? Mit welchen Experimenten können wir das sichtbar machen? Und lasst uns das doch gleich in einer Zeitserie mittels nature journaling erfassen, damit wir später nach der Lein-Saat darin schon Profis sind. Wie groß wird eine Pflanze im Vergleich zum Samen? Und wie groß ist denn jetzt eingetlich 1m²? usw.
