Wann endet das Lein-Jahr in Schönkirchen?

Zum Sommer ist alles gut gewachsen. Der Lein ist verblüht. Die Samenkapseln bilden sich und reifen vor sich hin. Ist damit das Lein-Jahr zu Ende? Es muss doch nur noch geerntet werden, und fertig!? Ganz so einfach war es leider nicht. Es gab viele Überraschungen:

1. Not-Ernte wegen Vandalismus (Mitte Juli)

„Im Juni haben wir noch die Blüten von unserem Flachs gefeiert, haben das ganz besondere Blau festgehalten und haben uns die Zeit des Reifens mit der Pflege und Ernte von Erdbeeren vertrieben – passend zur europaweiten Community-Aktion von 1qmlein.de .
Nach der Blüte von Flachs gibt es verschiedene Zeiträume für die Ernte. Je nach dem, ob wir die sog. Vollreife der Samen abwarten oder schon eine sog. Grünreife (für feinste Faserqualität) machen, brauchen wir jetzt unterschiedlich viel Geduld. Vor den Ferien entscheiden wir uns gegen die Ernte und wollen noch warten, bis die Samen und Fasern reifer und stabiler werden. Kein Problem, da wir ja noch Ferienbetreuung haben. So planen wir die Ernte für die 3.Woche, wenn auch die meisten Garten-AG-Kinder da sein werden.
Heute am 13.07. der Schock 😳😥: Das Draußenzimmer wurde übers Wochenende verwüstet. An allen Beeten sind Schäden. Pflanzen sind raus gerupft, Tontöpfe zertrümmert, das Insektenhotel in Trümmern, Beeteinfassungen zerbrochen, und überall liegt Müll. Zum Glück ist unser Lein noch heil. Also beschließen wir spontan zu ernten. Wir wollen nach all‘ der Arbeit nicht auch noch unsere Flachsernte verlieren. Und so groß wie die Freude über den guten Ertrag ist, so groß ist auch die Enttäuschung.“

So berichteten wir in den Schönkirchener Nachrichten 09/2026 und mit ähnlichen Worten auch in der 1qmlein-Community. Ich wollte dazu nicht sprachlos bleiben. Umso mehr freue ich mich über die motivierenden Rückmeldungen der Gemeinde und der Community. Vielen Dank dafür. Es ist schön zu hören, – auch wenn es ein vielerorts bekanntes Problem ist – dass es denjenigen, die unseren Projektfortschritt verfolgt haben, nicht egal ist ob solche Projekte statt finden, was in und mit so einem Projekt passiert, und dass mich die Bitte erreicht nicht aufzuhören auch wenn diese Situation frustriend und schade ist.

2. Sind die Samen jetzt überhaupt brauchbar? Sorgsame Nachbereitung und Experimente lassen aufatmen (Ende August)

Um Samen für das Folgejahr zu gewinnen, sollte man mindestens die sog. Gelbreife abwarten. Das heißt, es soll ein Zeitpunkt im Reifegrad des Lein erreicht werden, bei dem sowohl die Fasern optimale Länge und Qualität entwickelt haben und noch nicht zu grob geworden sind; bei dem aber auch die Samen lange genug von der Pflanze versorgt werden konnten, dass sie später eine gute Keimfähigkeit aufweisen werden. Ein Erkennungszeichen, dass die Samen dieses Stadium erreicht haben, ist die Farbe der Samenkapsel bei der Ernte.

Bei unserer Ernte waren die Kapseln grün und die Samen darin weiß. Kein gutes Zeichen, um sie für die Aussaat im nächsten Jahr zu verwenden. Wir trocknen die gesamte Ernte in einem ungenutzten Gruppenraum. Bei den diesjährigen Temperaturen dauert es nur 4 Tage und wir riffeln (entfernen also die Samenkapseln vom Stroh). Dass die Samenkapseln in diesen Tagen gelb wurden überrascht eher wenig. Tätsächlich fällt den Kindern aber eine Farbveränderung der Samen auf, wenn sie die Kapseln öffnen – jetzt sind diese braun geworden. Also heben wir kurzerhand alles auf, lassen die Samen in ihren Kapseln, stellen sie warm und trocken, damit sie eine Change zum Nachreifen bekommen.

Der Abreitsaufwand wäre natürlich geringer gewesen, wenn wir das Saatgut aufgegeben und einige handwerkliche Schritte (also sowohl das oben beschriebene riffeln, als auch die im folgenden Absatz beschiebene Trennung von Kapsel, Spelze, und Korn) einfach weg gelassen hätten. Für das Projekt ist es aber sicherlich eine gute und empfehlenswerte Lernerfahrung alle Arbeitsschritte zu durchlaufen, auch wenn wir vielleicht nur unbrauchbares Saatgut damit gewinnen. Überraschender Weise und zu unserer Freude wird dieses Vorgehen belohnt.

Nach den Ferien breche ich die Samenkapseln auf, trenne die Spelzen von den Körnern, und starte animiert von der 1qmLein-Community einfache Keimexperimente, mit denen wir alle Aufschluss über die Keinfähigkeit gewinnen. … Tada: Nach 7 Tagen sind 8 von 10 Samen gekeimt; wenige Tage später geht noch ein Korn auf und wir erreichen 80-90% Keimfähigkeit. Das heißt, unser Saatgut ist doch verwendbar und wir haben nicht nur einen guten Stroh- sondern auch einen guten Korn-Ertrag 🙂

3. Strohnachbereitung (Anfang September)

Ist alles geerntet, muss das Stroh „rösten“. Das heißt, es muss mit Hilfe von Wasser und in der Natur allgegenwärtigen Pilzen oder Bakterien ein Fermentationsprozess in Gang gebracht werden, damit sich die strohigen Bestandteile im Leinstängel von den Fasern lösen. Die gute Nachricht für alle die eine Sommerpause einlegen (z.B. bis die Schulferien vorbei sind und nach Start ins neue Schuljahr drängendere Frage vom Tisch sind): Das getrocknete Stroh ist geduldig.

Auf dem Schulgelände finde ich aus verschiedenen Gründen aktuell keine guten Bedingungen, um die Fermentation im Tau auf der Wiese statt finden zu lassen. Also kommt alles in eine wassergefüllte Box. Etwas blauäugig aber zuversichtlich könnte man sagen, nun liegt die Ernte nur im nassen rum, das wird schon. Seid ich aber gelesen habe, dass selbst die Profis die Überwachung im Fermentationsprozess schwierig finden, damit nichts schief geht, ist das Warten doch spannend und mit einigem Nervenkitzel verbunden 😉

… Fortsetzung folgt … Denn damit ist immer noch nicht alles getan. Es folgen:

4. Das Flachsbrechen …

5. Jetzt wird gesponnen …

6. Verwendbare Fäden werden zu … ?

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